PunktSechs

PunktSechs ist die Vortragsreihe der Kunstpädagogik an der Kunsthochschule Kassel. Wir laden in diesem Rahmen regelmäßig Personen ein, die im Bereich Kunstpädagogik und anderen daran angrenzenden Bereichen forschen und publizieren. Sie finden hier gesammelt alle bisher stattgefundenen Veranstaltungen:

21.01. 2020

Mario Urlaß “Selbstprojektierungsprozesse. Zur Praxis künstlerischer Bildung in der Grundschule

Vortrag

Wenn es gilt, Kunstpädagogik in der Grundschule zeitgemäße Perspektiven zu verleihen, müssen mögliche Potenziale und die besondere Bedeutung von Prozessen, Methoden und Strategien einer künstlerischen Bildung ausgelotet werden. Mit einer am künstlerischen Werkprozess orientierten Didaktik spielerisch-experimentellen und forschenden Lernens werden Wege eröffnet, innerhalb derer sich individuelle Formen künstlerischen Denkens und Handelns ausprägen lassen. Kinder erkennen dabei, dass ihre Imaginationen zugleich Möglichkeiten persönlicher Entwicklung vorantreiben und durch künstlerischen Ausdruck zu eigener Wirklichkeit werden.

Modellhaft wird anhand eines künstlerischen Projekts, realisiert in einer Grundschulklasse, dargestellt, was spezifische Ziele, Inhalte und Methoden künstlerischer Bildung beschreibt. Es soll offenbart und diskutiert werden, wie Kinder in der Lage sind, sich mit einer Thematik multiperspektivisch und multimedial über einen längeren Zeitraum auseinanderzusetzen und dabei in ihren Gestaltungen eigene Bedeutungszusammenhänge zu entwickeln.

Zur Person: Mario Urlaß ist seit 2003 Professor für Kunst und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Nach dem Studium am Institut für Lehrerbildung Auerbach und an der Universität Leipzig (Kunstpädagogik) lehrte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Chemnitz und Erlangen-Nürnberg. Neben seiner Lehrtätigkeit an Hochschulen übernahm er mehrere Jahre Kunstunterricht an Grundschulen. Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte liegen in der künstlerischen Bildung im Primarbereich, in interdisziplinärer künstlerischer Projektarbeit in Lehramtsstudiengängen und im Feld der Gegenwartskunst. Er war Mitorganisator mehrerer kunstpädagogischer Kongresse (u.a. Internationaler InSEA-Kongress „Horizonte“ 2007/ Heidelberg, BuKo 12 „Partizipation“/ Bundeskongress der Kunstpädagogik 2010-2012). Als Künstler arbeitet er medial in den Bereichen Malerei und Objektkunst. Seine Ausstellungs-, Vortrags- und Publikationstätigkeit ist auf der Homepage www.mario-urlass.de einsehbar.

17.12. 2019

Insa Härtel “Ästhetische Erfahrung als “Übergriff”?

Vortrag

Anhand einer Videoarbeit von Tseng Yu-Chin werden in diesem Vortrag die körperlichen „Übergriffe“ im Bild ebenso wie das Übergreifen der künstlerischen Arbeit auf das Publikum diskutiert. Denn durch die ästhetische Form wird hier, so die These, eine Verführungsphantasie nicht nur gezeigt, sondern auch agiert.

Zur Person: Insa Härtel ist seit 2012 Professorin für Kulturwissenschaft mit Schwerpunkt Kulturtheorie und Psychoanalyse an der International Psychoanalytic University (IPU) in Berlin. Sie hat Psychologie, Kunstgeschichte und Soziologie an der Universität Hamburg studiert, wo sie auch ihre Promotion zum Thema: „Zur Produktion des Mütterlichen (in) der Architektur” abgeschlossen hat. 2008 folgte ihre Habilitation zum Thema: „Transformationen symbolisch-autoritativer Dimensionen: Entwürfe von Autorschaft und Handlungsmacht“ an der Universität Bremen. Sie war u.a. als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, sowie als wissenschaftliche Angestellte/Dipl.-Psychologin im Jugendpsychologischen/-psychiatrischen Dienst (JPPD) der Stadt Hamburg tätig.

18.06. 2019

Andrea Sabisch “Sehend involviert werden” – Fälle der Bilderfahrung”

Vortrag

Bilderfahrung bezeichnet eine Umwandlungsarbeit zwischen einer autobiografischen Aktualisierung des Sehens und einer medialen Rahmung und Formierung des Imaginären, das immer auch kulturell geprägt ist. Dieser Vorgang schließt die Frage des leiblichen, affektiven und sprachlichen Involviertseins in Prozesse der Bildprodukton und der Bildrezeption ein. Bilderfahrungen können wir uns nicht vornehmen und doch gibt es Bedingungen, die die Wahrscheinlichkeit ihres Auftauchens in der Lehre erhöhen. Wie erfahren wir Bilder? Welche Fälle der Bilderfahrung lassen sich finden? Welche davon lassen sich erinnern? Und wie lassen sich Erfahrungen durch Bilder reflektieren? Der Vortrag wird Beispiele von Bilderfahrungen geben, die quer stehen zu dem, wie wir Pädagogik und Kunst bislang denken.

Zur Person: Andrea Sabisch (Prof. Dr.) 1970, Studium Kunst, Musik, Germanistik, Anglistik in Göttingen und Flensburg, Referendariat und Lehrerin in Hannover, Wissenschaftliche Assistentin an der Universität Dortmund, Vertretungsprofessur »Kunst – Vermittlung – Bildung« an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg; Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Post-Doc) an der Universität Hamburg. Seit 2010 Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Ästhetische Bildung.

21.05.2019

Anne Eßer “Geschlechter-Konstruktionen im Kunstunterricht”

Vortrag

Jugendliche sind heute mit einer Vielzahl an Geschlechterkonzepten konfrontiert, die von der rigiden Bestätigung überholter Klischees bis zur Auflösung der binären Geschlechterordnung reichen. Die notwendige Selbstdefinition und die Erarbeitung einer eigenen Position erfordern im Prozess der Identitätsbildung pädagogische Orientierungsangebote. Geschlechter-Repräsentationen in Medien, Popkultur, historischer Kunst und Gegenwartskunst sowie die kritische Reflexion des gendertheoretischen Diskurses und die Vorstellung von Unterrichtsbeispielen bilden das Thema des Vortrags und der anschließenden Diskussion.

Zur Person: Anne Eßer unterrichtet an einem privaten Gymnasium in Darmstadt und hat an der Akademie der Bildenden Künste in München im Bereich der Kunstdidaktik promoviert zum Thema “Geschlechter-Repräsentationen im Kunstunterricht – Reflexionen zu Grundproblemen von Identität und Vielfalt”.

19.12.2018

Nora Sternfeld “Das Politische und die Kunstpädagogik”

Gespräch

Anfang der 1970er Jahre wurden mit der Frage nach einer gesellschaftsbezogenen Legitimierung des Kunstunterrichts auch curriculare Überlegungen für das Politische geöffnet. In Hessen, NRW und Berlin diskutierte man darüber, wie eine kritische und emanzipatorische Haltung bei Schülerinnen und Schülern durch ästhetische Theorie und Praxis im Unterricht gefördert werden könne. Die Kunsthochschule Kassel war ein prominenter Ort dieser Diskussion. Gefordert wurde beispielsweise, das Fach „Kunst“ in „Visuelle Kommunikation“ umzubenennen, um mit dazu beizutragen, Schülerinnen und Schüler auf ein mündiges und selbstverantwortetes Leben vorzubereiten angesichts einer neuen massenmedialen Präsenz von Bildern. Im Zuge einer sich dann seit den 2000er Jahren stärker konturierenden „Kunstvermittlung“ wurden nun auch gängige Praxen der Vermittlung von Kunst im außerschulischen Bereich auf ihre Voraussetzungen und Implikationen befragt: Wie lässt sich ein kritisches oder gar widerständiges Potential vor dem Hintergrund hegemonialer Deutungsmacht stärken, um ausgehend von einer Auseinandersetzung mit Kunst gesellschaftlich-politische Veränderungen anzuregen? Wir haben Nora Sternfeld in die Kunstpädagogik eingeladen, um gemeinsam über das Thema „Das Politische und die Kunstpädagogik“ zu sprechen, das heißt über Begrifflichkeiten und Vorstellungswelten, die seither die Diskussionen begleiten. Auch über Impulse, die aktuell aus der „Kunstvermittlung“ heraus für die schul- und unterrichtsbezogene Diskussion fruchtbar gemacht werden können. Also: Wo sind Schnittfelder, wo Differenzen und wo kommt es zu Synergien?

13.06. 2018

Stefan Lausch “Vom ungefähr Empfundenen zur genau richtigen Form”

Lesung

Prof. Stefan Lausch liest aus seinem Buch “Nachdenken über Grundlagen des Gestaltens”.
Kaum ein Begriff wird heute so vielseitig interpretiert wie jener der Kreativität. In seiner Konturlosigkeit ähnelt er seit geraumer Zeit dem Begriff der Kunst. Daraus entsteht für all jene, die sich praktisch mit Gestaltung und Kunst befassen wollen, die besondere Herausforderung, solcherlei Begriffe für ein gestalterisches Handeln zu konkretisieren. In den Texten des Buches wird der Versuch unternommen, für die individuelle gestalterische Praxis Zusammenhänge darzustellen, die einem Nachdenken über Grundlagen des Gestaltens entspringen. Dabei wird in bildreicher Sprache das Verhältnis allgemeiner gesellschaftlich-kultureller Erscheinungen und konkreter gestalterischer Arbeit als ein Ineinanderwirken dargestellt, das auch auf andere kulturelle Felder übertragbar ist.

Zur Person: Stefan Lausch, 1966 geboren in Düsseldorf, studierte von 1987 bis 1994 Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf bei Professor Alfonso Hüppi, dessen Meisterschüler er 1993 wurde. Seit 2006 ist er Professor für Grundlagen bildnerischer Gestaltung, welche er seit 2008 an der Folkwang UdK in Essen lehrt.

24.04.2018

Eva SturmZeichnende Bäume. Nachdenken über das Konzept „Von Kunst aus“.

Vortrag und Gespräch

Eva Sturm wird über ihr Konzept „Von Kunst aus“ sprechen, das sie an einem Kunst-Museumsprojekt konkretisiert. Sie fragt: „Was heißt ‘die Kunst’ und was heißt ‘in ihren Möglichkeiten’?“ „Wie kann man dem anderen Platz machen für die Entwicklung eigener Neugier, eigener Erkenntnisse?“ „Oder lässt sich auch löchrig arbeiten – mit Kunst?“ Alle sind eingeladen ist, mit Anschlüssen, Ideen und eigenen Fragen am anschließenden Gespräch teilzunehmen.

Zur Person: Eva Sturm ist Kunstpädagogin, Museumspädagogin und Germanistin. Sie lehrte 2003 bis 2008 in Hamburg, Berlin, Oldenburg und Erfurt und war von 2009 bis 2015 Professorin für Kunst-Vermittlung-Bildung am Institut für Kunst und visuelle Kultur der Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg. Sie lebt in Berlin und ist zur Zeit als freiberufliche Kunstvermittlerin in Theorie und Praxis tätig.