Mind-blowing_Forschen in der Kunstpädagogik

 „Endlich wieder ein Präsenzseminar!“, so begann unser 5-tägiges Blockseminar zum Thema Forschen in der Kunstpädagogik am 01.03.2021 – natürlich unter Hygienemaßnahmen – im 3. Stock der Kunstpädagogik. Wir fragten uns: WAS sollte WIE erforscht werden? Und WARUM ist das „Forschen“ eigentlich ein Bestandteil unserer Lehrer*Innenausbildung?

Das Lehramtsstudium mit dem, was an Inhalten vermittelt wird, wirkt manchmal sehr abgeschlossen, dies ist aber bei genauerem Hinsehen gar nicht der Fall: Viele Themen bleiben offen und finden nur einen vorläufigen Abschluss. So die Frage: Wie vermittelt man Kunst? Welche Haltung sollte ich als KunstlehrerIn einnehmen? Oder: Was ist eine angmessene Bewertung? Durch Forschung werden diese offenen Fragen immer wieder neu verhandelt.

Den Forschungsgegenstand sowie Ankerpunkt dieser Veranstaltung bildeten die Gespräche “Arbeiter diskutieren moderne Kunst”. Sie fanden 1979/80 auf Anregung der Bayerwerke Leverkusen statt und wurden von Max Imdahl geleitet, der damals Professor der Kunstgeschichte an der Ruhruniversität Bochum war. Besonders die Figur Imdahls bildete den Fokus unserer Auseinandersetzung.

Den Auftakt bildete ein Workshop zur Qualitativen Inhaltsanalyse, angeleitet von Dr. Stefan Rädiker. Er führte unter anderem in die Kodierungs-Software MAXQDA ein, die wir optional als Tool für unsere späteren Analysen nutzen konnten.

In der Folge stand der Forschungsprozess selbst stark im Vordergund des Seminars. Dabei gingen wir sehr offen und intuitiv an den Text heran. Wir erarbeiteten gemeinsam in Gruppen Forschungsfragen und Kategorien, anhand derer wir das Material analysierten. So diskutierten wir immer wieder in Kleingruppen oder im Plenum über Themen wie Gesprächsführung, Rollenbilder in Lehr-Lern-Situationen und unser eigenes, sowie das Kunstverständnis von Imdahl und den “Arbeitern”.

Wir probierten dabei auch für uns eher ungewöhnliche Zugangsweisen, wie das Lesen der vorliegenden Gespräche mit verteilten Rollen oder die Initiierung von Gesprächen zu ausgewählten Kunstwerken in der Rolle der ModeratorIn, aus. Dabei entstanden ganz verschiedene Varianten und Perspektiven, die uns wieder zu neuen Fragen und Diskussionen führten.

Das Seminar wurde durch einen Film über Max Imdahl und sein Schaffen aus der Sicht von Zeitgenossen abgeschlossen. Sein damaliger Fokus auf moderner, zeitgenössischer Kunst war außergewöhnlich und legte besonders die Werk-Erfahrung dem Betrachter/ der Betrachterin nahe: “Die moderne Kunst ist ein Abenteuer” (Imdahl, 1982: 36).

Die Feedbackrunde zeigte die Zufriedenheit aller über ein sehr inspirierendes und lehrreiches Seminar. Wie waren uns einig: Die Diskussionen waren für uns enorm wichtig, um gemeinsam neue Ideen zu entwickeln.

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Imdahl, Max (Hrsg.): Arbeiter diskutieren moderne Kunst. Seminare im Bayerwerk Leverkusen, Berlin : Ed. Kunstbuch Berlin im Rembrandt-Verl., 1982.

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