Nachlese zum Vortrag “Visuelles und Taktiles – Plastizität und Materialität in Kunst und Kunstpädagogik”

Nach einer langen Zeit des Wartens war es endlich wieder so weit: Die Vortragsreihe PunktSechs konnte am 17. Mai 2022 in Präsenz an der Kunsthochschule stattfinden.
Sara Hornäk, Professorin für „Didaktik der Bildenden Künste“ an der Kunstakademie Düsseldorf, eröffnete mit Ihrem Vortrag „Visuelles und Taktiles – Plastizität und Materialität in Kunst und Kunstpädagogik“ die PunktSechs-Reihe im diesjährigen Sommersemester.

Sara Hornäk, deren Arbeitsschwerpunkte u. a. Skulpturales Lehren sowie die Entwicklung des plastischen und räumlichen Gestaltens bei Kindern und Jugendlichen bilden, richtet Ihren Blick insbesondere auf die Schnittstelle zwischen Objekt und Körper, Werk und Rezipient*in.

In gemütlicher Runde erfolgte zunächst die Betrachtung des Begriffes „Plastizität“ aus kunstwissenschaftlicher Perspektive, um daran anknüpfend Beispiele aus der Bildenden Kunst sowie Unterrichtspraxis zu diesem Themenkomplex zu besprechen.

Sara Hornäk nimmt in Ihrem Vortrag Bezug auf die Arbeit „Gnaw“ (1992) von Janine Antoni.

Nach Hornäk können räumliche und körperliche Erfahrungen in besonderem Maße durch die Fokussierung auf das Haptische gemacht werden. So führt Sie als Beispiel der Bildenden Kunst das Werk „Gnaw“ (1992) von Janine Antoni an, welches aus einem mit den Zähnen bearbeiteten 300kg schweren Schokoladenblock besteht. Im Unterschied zu einem zweidimensionalen Bild, welches allein aus der Distanz durch den Sehsinn erkundet werden könne, eröffne sich dem Rezipierenden der Plastik ein Gemenge der Sinne: Das Sehen der Bearbeitungsspuren und das Riechen des Materials evozieren nach Hornäk die Vorstellung des Beißaktes analog zum Geschmack der Schokolade.

Neben Ihren eigenen Lehrprojekten an der Kunstakademie stellte die Kunstpädagogin auch Unterrichtseinheiten von Studierenden sowie Auszüge einer Masterarbeit – alle im Themenkomplex der Plastizität und Materialität einzuordnen – vor.
Anhand der eingängigen Praxisbeispiele lieferte die Referentin spannende Anregungen, wie Plastizität und Materialität im schulischen Kontext behandelt werden können.

Ob bei der Abformung von Alltagsgegenständen in der Grundschule, bei der Behandlung der Fragestellung „Lässt sich Ton knicken“ oder der Untersuchung von Wechselwirkungen zwischen Bauschaum und Berührung: Hornäk verdeutlichte, wie es mit offenen Fragestellungen gelingen kann, dass Lernende Ihre eigenen Interessen bei der künstlerischen Arbeit verfolgen können.
Aus kunstpädagogischer Sicht stehen dabei die Erkenntnisprozesse, welche durch den Umgang mit dem Material gewonnen werden, im Vordergrund.

Wieder einmal hat sich gezeigt, dass Präsenzveranstaltungen, bei denen sich Referierende und Teilnehmende einen (Erfahrungs-)Raum teilen, unschlagbare Vorteile gegenüber digitalen Kommunikationskanälen besitzen. So bestand im Anschluss des Vortrags die Möglichkeit, Sara Hornäk in angenehmer Atmosphäre Fragen zu stellen, was von den Teilnehmer*innen gerne genutzt wurde.

Aktuelle Informationen und Termine der PunktSechs-Vortragsreihe können hier eingesehen werden.

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